Termine Wintersemester 09/10
Workshop der Gruppe Internetforschung am 30.10.2009
Das Konzept Identität hat in der sozialwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit computervermittelten Kommunikationssystemen seit jeher eine wichtige Rolle gespielt. Wir wollen im Workshop der Frage nachgehen, mit welchen Prozessen von Identitätskonstruktion im und mit dem Internet wir es heute – in Zeiten von Social Media und Multiplayer-Spielen – zu tun haben und wie diese Prozesse wissenschaftlich fassbar werden.
Zeit: Freitag, 30.10., 14-18h
Ort: Graduiertenzentrum, Besprechungsraum (Ferstlgasse 5, 1010 Wien)
Zielgruppe: DissertantInnen aller sozialwissenschaftlichen Studienrichtungen mit Interesse am Thema

Programm
14:00 Vorstellungsrunde
14:15 Einführung
Susanne Rabler: Identitäten in Massive Multiplayer Online Games
Vorstellung von Identitätskonzepten, die geeignet erscheinen, um Fragen rund um „Identität“ in MMOGs zu beantworten. Folgende Fragen sollen andiskutiert werden:
- Inwiefern ist Identität für SpielerInnen wichtig/interessant?
- Wie erfolgen Identitätskonstruktionen in MMOGs?
- Welche Rolle spielt das Spieldesign hinsichtlich der Identitätsfrage?
- Welche theoretischen Zugänge beantworten welche Fragen zur Identität?
Theoretischen Zugänge: Klassisch Soziologisch der Symbolische Interaktionismus und eine für Computerspiele adaptierte Form von Paul Ricoeurs „Narrativer Identität“.
14:35 Zentraler Vortrag / Methodologie
Ulla Authenrieth: Der Einsatz online-ethnographischer Methoden zur Analyse von Interaktions- und Kommunikationsprozessen Jugendlicher auf Social Network Sites – am Beispiel der laufenden SNFStudie „Jugendbilder im Netz“
Der Vortrag versteht sich als ein Beitrag zur Weiterentwicklung der Anwendungsweisen von Medien‐Ethnographie sowie Online‐Ethnographie bzw. virtueller Ethnographie anhand von ersten Ergebnissen aus der Arbeit des vom Schweizer Nationalfonds finanzierten Projekts „Jugendbilder im Netz“ (2008‐2010).
In Fortführung eigener langjähriger ethnographischer Untersuchungen von jugendkulturellen Sinnwelten (zuletzt: Die Welt der Gothics, Schmidt/Neumann‐Braun, 2/2008) stehen im hiesigen Forschungskontext insbesondere das Verschränkungsverhältnis von offline/online‐Kommunikation sowie die Bedeutung der forcierten Visualisierung jugendkultureller Vergemeinschaftungsprozesse im Fokus der Aufmerksamkeit.
Das Projekt untersucht die Selbstdarstellung und ‐visualisierung (Selbstpräsentation) sowie die Interaktions‐ und Kommunikationsprozesse von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 12 und 24 Jahren (Vergemeinschaftungsprozesse) in virtuellen Communities wie Facebook, StudiVz oder MySpace, die als bedeutende jugendkulturelle Phänomene unserer Zeit Millionen von Adoleszenten in virtuellen Netzwerken miteinander verbinden. Ein wichtiger Aspekt ist hier die Visualisierung von sozialen Netzen, also die Sichtbarmachung der freundschaftlichen Beziehungen innerhalb des Netzwerks, wie sie auf den genannten Portalen zum ersten Mal auf breiter Ebene möglich ist.
In methodischer Hinsicht werden die Aspekte von Produktions‐, Produkt‐ sowie Rezeptionsanalysen systematisch mit einander verschränkt, um den circuit of meaning vollumfänglich erfassen zu können. Zweitens kommt ethnographischen Methoden eine besondere Bedeutung zu – und zwar sowohl auf der Seite der Produktionsanalysen (Frage: Wie, durch wen und zu welchem Zweck werden die Bilder hergestellt?) als auch auf der Seite der Rezeptionsuntersuchungen: Letztere stützen sich tragend bspw. auf Methoden der teilnehmenden Beobachtung, der Teilhabe an vorhandenen Online‐Kommunikations‐ und Kommentarfunktionen, der Interpretation von Online‐Dokumenten, der Fixierung synchroner Kommunikation (etwa Chats) sowie den Methoden Leitfadeninterview und Gruppendiskussion (Mehr‐Methoden‐Design).
Der Vortrag versucht eine erste Einschätzung der Grenzen und Reichweite der genannten Methoden im Forschungsfeld netzbasierter Kommunikation Jugendlicher und junger Erwachsener.
15:15 Diskussion
15:45 Pause
16:00 Bericht aus der empirischen Forschung 1
Philipp Budka: „Bedeutung kultureller Identität in einer indigenen Online-Umgebung (MyKnet.org).“
Konzepte von Identität finden – teilweise willkürlich und unscharf definiert – in unterschiedlichsten Bereichen der Internetforschung Anwendung. Dieser Beitrag soll einerseits das Konzept der „kulturellen Identität“, wie von Hall et al. diskutiert, anhand den Online-Praktiken in einer kanadischen First Nations Internet-Umgebung kritisch überprüfen. Andererseits wird – angelehnt an Brubaker & Cooper – der Versuch unternommen, den Begriff der „Identität“ klarer zu zeichnen und mögliche kontextbezogene Alternativen anzubieten. Abschließend wird kurz auf den Aspekt der ethnographischen Felderforschung (Kremser) eingegangen, der entsprechende methodische und theoretische Überlegungen voraussetzt.
Brubaker, R., Cooper, F. (2000). Beyond „identity“. Theory and Society 29: 1-47.
Hall, S., du Gay, P. (1996). Questions of Cultural Identity. Sage.
Kremser, M. (1998). Von der Feldforschung zur Felder-Forschung. In Wernhart, K. R., Zips, W. (Hg.), Ethnohistorie. Rekonstruktion und Kulturkritik. Wien: Promedia.
Stichworte: kulturelle Identität, First Nations, Indigene, Canada, Online-Umgebung, ethnographische Feld(er)forschung
16:30 Bericht aus der empirischen Forschung 2
Axel Maireder: „Identitätsklau“ – Verletzlichkeit von Identitätkonstruktionen Jugendlicher im Social Web
Ausschnitt aus einem laufenden explorativen Forschungsprojekt zur Rekonstruktion der sozialen Zusammenhänge zwischen Mediengebrauch und sozialem Verhalten von Jugendlichen in der Schule, insbesondere im Hinblick auf Gewalt. Neben Ergebnissen zur Identitätskonstruktion von österreichischen Jugendlichen in Social Media soll vor allem die Praxis des „Identitätsklaus“ - Plagiierung von Identität einer- und das Hacken von Profilen andererseits – und die Rolle dieser Praxis innerhalb der jugendlichen Identitätsdiskurse erläutert werden.
17:00 Diskussion
18:00 Abschluss, Socializing
Anmeldung bitte bis 23.10. bei Axel Maireder (axel.maireder (at) univie.ac.at)
Termine Wintersemester 08/09
Seminar „Theorizing the Internet“
Vorbesprechung
- Termin: 8. Oktober 2008
- Dauer: 18.30-20.00
- Leitung: Projektgruppe
- Inhalt:
- Vorstellung des Seminarfahrplanes, der SeminarteilnehmerInnen und der Lehrpersonen (in Abwesenheit);
- Besprechung der Anforderungen für das Diskussionspapier,
- Einteilung Themen & Termine (je 5 Präsentationen / Termin)
Eingereichte Diskussionspapiere werden von der Projektgruppe an alle TeilnehmerInnen und die Lehrpersonen geschickt, sodass diese genug Zeit haben die Arbeiten vor dem entsprechenden Seminartermin zu lesen.
1. Seminartag 21. November 2008:
Das Internet im Kontext von globalisierungstheoretischen und cyberanthropologischen Überlegungen
Univ.Prof. Elke Mader/ Ao. Univ.-Prof. Dr. Manfred Kremser
Das Internet im Kontext von globalisierungstheoretischen und cyberanthropologischen Überlegungen: Wie lässt sich das Internet aus Perspektive globalisierungstheoretischer Überlegungen erfassen, beschreiben und analysieren? Wie wird die „globale“ Technologie Internet lokal genutzt, adaptiert und verändert? Wie beeinflussen lokale Nutzungsformen globale Produktionsformen? Wie verändern Internettechnologien menschliche Vergesell- und Vergemeinschaftungsformen? Welchen Einfluss hat der „Cyberspace“ auf Konstruktionen von Identität und Wissen?
2. Seminartag 5. Dezember 2008:
„Cyberscience“: Wissenschaftstheoretische Aspekte und Bedeutungen von Internettechnologien im wissenschaftlichen Kontext
Univ.-Doz. Mag. Dr. Michael Nentwich
„Cyberscience“: Wissenschaftstheoretische Aspekte und Bedeutungen von Internettechnologien im wissenschaftlichen Kontext: Was können Konzepte der Wissenschafts- und Technikforschung zum Verständnis des Internet beitragen? Wie verändern Internettechnologien soziale Handlungsräume wie das Wissenschaftssystem und seine internen Logiken? Wie wirken sich diese Technologien auf die Produktion und Verteilung von (wissenschaftlichem) Wissen aus? Welche Möglichkeiten und Gefahren gehen mit Entwicklungen rund um „Online Publishing“ und „Open Access“ einher? Welche Zukunftsvisionen werden formuliert?
3. Seminartag 16. Jänner 2009:
Das Internet aus medienphilosophischer Perspektive
Ao. Univ.-Prof. Dr. Herbert Hrachovec
Das Internet aus medienphilosophischer Perspektive: Welche Beitrag leisten medienphilosophische Überlegungen in der sozialwissenschaftlichen Bearbeitung des Internet? Wie lassen sich philosophische Konzepte und Modelle in der Internetforschungspraxis anwenden? Inwieweit behandeln philosophische Theorien die Medialitäten von Denken und Kommunikation im Kontext von Internettechnologien?
Nachbesprechung
- Termin: Abendtermin Ende Jänner 2009
- Dauer: 1,5 h
- Leitung: Projektgruppe
- Inhalt: Zusammenfassung der Seminartermine, Abschließende Diskussion der Themen, Überlegungen zur Verwertung der Ergebnisse
Termine Sommersemester 08
im Graduiertenzentrum der Fakultät für Sozialwissenschaft der Universität Wien
Ferstelgasse 5/25, 1090 Wien
1. Diskussionstermin: 12.3. 17-20 Uhr
Themen:
1. Planung der Workshopreihe für das WS 2008/2009,
2. Teilnahme am Internetforschungs-Blog
3. „Beobachtung und teilnehmende Beobachtung im Internet“
2. Diskussionstermin: 16.4. 17-20 Uhr
Thema: Cultural Turns
3. Diskussionstermin: 27.5., 18h am GZ
Thema ist „Non-Users“. Philipp ist wieder so nett und wird uns einen Text schicken
4. Diskussionstermin: 24.6., 18h bei einem Heurigen noch zu treffender Wahl
Thema: Veränderung der Wissenschaft durch das Netz;
Astrid und Axel werden hierzu parallel nach Texten suchen
Termine Wintersemester 07/08
Seminar „Forschungsobjekt Internet“
1. Seminartag: Fr, 16.11.07, 10.00 – 18.30h
Das Internet als Untersuchungsobjekt der Sozialwissenschaften
Welche Herausforderungen stellen sich wenn man ‚das Internet’ erforschen möchte? Können wir überhaupt von einem Objekt sprechen oder stellen sich je nach Kontext ganz unterschiedliche Objekte dar? Was bedeutet das für die Auswahl unserer Methode(n) und welche(n) Blickwinkel ermöglichen sie uns auf „das Internet“?
Leitung: Univ. Prof. Dr. Manfred Faßler, Institut für Kulturanthropologie der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main
2. Seminartag: Freitag, 7. Dezember 2007, 10.00 -18.30
Möglichkeiten und Grenzen der Anwendung klassischer sozialwissenschaftlicher Methoden
Sind die epistemologischen Grundannahmen der ‚klassischen’ sozialwissenschaftlichen Methoden bei ihrer Anwendung auf das Forschungsobjekt Internet noch gegeben? Können wir diese klassischen Methoden bei der Annäherung an soziale Phänomene in und durch Internetkommunikation anwenden? Wenn ja, was müssen wir dabei beachten?
Leitung: Anne Beaulieu, PhD, The Virtual Knowledge Studio for the Humanities and Social Sciences, Royal Netherlands Academy of Arts and Sciences
3. Seminartag: Samstag, 12. Jänner 2008, 10.00 – 18.30h
Ansatzpunkte für neue, innovative Zugänge
Wie können wir Methodiken wie beispielsweise Hyperlinkresearch, Datenvisualisierung oder experimentelle Set-ups für qualitative sozialwissenschaftliche Zwecke nutzen? Welche Arten von Datenmaterial können damit nutzbar gemacht bzw. neu generiert werden und welche Herausforderungen stellen sich bei deren Interpretation? Wie stehen diese „neu“ gewonnenen Daten zu „klassischen“ Erhebungstechniken und wie können sich diese sinnvoll ergänzen?
Leitung: Dr. Richard Rogers, Department of New Media Studies,
University of Amsterdam, Netherlands
Nachbesprechung: Mittwoch, 16. Jänner 2008, 18.00 – 19.30h
Ort
Graduiertenzentrum der Fakultät für Sozialwissenschaft der Universität Wien
Ferstelgasse 5/25, 1090 Wien
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